Sein Leben war vorwiegend Arbeit, wobei er die prächtigsten Metropolen und die grössten Elendsviertel dieser Welt sah. Er hatte die Chance, in wichtiger Funktion in internationalen Finanzinstituten prägend mitzuwirken. Sein menschliches Mitempfinden und sein Respekt vor allen Menschen waren Grundlage seiner Überzeugung, dass man mit Hilfe zur Selbsthilfe weit mehr als mit kurzfristigen Finanzaktionen erreichen könne. Sein Schlüsselerlebnis war die Bekanntschaft mit einem kleinen Jungen in einer thailändischen Ananasfabrik. 


Am Rande von Kreditverhandlungen sah Ernst-Günther Bröder den Jungen am Ende eines Fliessbandes monoton Dosen in Kartons packen. Es war harte und keineswegs kindergerechte Arbeit. Dennoch strahlte der Junge und schien zufrieden zu sein. Er erzählte, wie froh er um diese Arbeit sei, denn so könne er etwas zum Lebensunterhalt seiner Familie beitragen. Wieviel mehr könnte er noch tun, wenn er die Chance hätte, Lesen und Schreiben zu lernen, dachte Ernst-Günther Bröder.

Dr. Ernst-Günther Bröder


Ernst-Günther Bröder kam am 6. Januar 1927 in Köln als Sohn eines Deutschen und einer Französin zur Welt. Es war ein gutbürgerliches Elternhaus, politische Betätigung lag fern. Daher wollte auch Ernst-Günther Bröder zeitlebens mit Partei-Politik nichts zu tun haben, was sich letztlich für seine berufliche Karriere sogar als Vorteil erwies. Er war zutiefst der Menschlichkeit und dem gegenseitigen Respekt verpflichtet.

 

Quer durch die Welt: von Pernambuco bis Timbuktu

Ernst-Günther Bröder begann mit einem Medizinstudium, wechselte jedoch später zu Volkswirtschaft, wo er abschliessend promovierte. Sein Berufsleben begann 1956 in der Direktionsabteilung von Bayer Leverkusen. Die dort übertragenen Aufgaben im Rahmen der Weltfirma lehrten ihn, «über den Tellerrand hinauszuschauen».  Ein Inserat der Weltbank in Washington führte zu einer erfolgreichen Bewerbung. Er wurde aus 200 Bewerbern ausgewählt, und die Welt stand ihm offen. Die damit verbundenen Aufgaben führten Ernst-Günther Bröder in verschiedenen Missionen in die ganze Welt. Unterschiedlichste Kreditanträge von förderungswürdigen Projekten waren sachkundig und kritisch zu prüfen. Pernambuco wie auch Timbuktu, Traumziele seiner Jugend, waren fortan nicht mehr exotische Punkte auf der Weltkarte.

 

Über Parteigrenzen hinweg

1964 wechselte Ernst-Günther Bröder zur Kreditanstalt für Wiederaufbau – heute als KfW Bankengruppe die grösste nationale Förderbank der Welt. 1974 wurde er vom damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) zum Vorstandsmitglied ernannt, 1980 von seinen Vorstandskollegen zum Sprecher gewählt. 1984 wurde er von den Finanzministern der Europäischen Union in das Amt des Präsidenten der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg, der Bank der EU und weltweit grössten multilateralen Darlehensgeberin, berufen. Hier traf Ernst-Günther Bröder seine spätere Ehefrau Dorothe.

 

Objektiv und konsequent

1994 ernannte ihn die Weltbank zum Chef des neu gegründeten Inspection Panels, welches das Engagement der Bank in verschiedenen Bereichen zu prüfen hatte. Das erste Projekt war ein Staudamm in Nepal, dessen Pläne aufgrund der Untersuchungen des Panels verstärkt den Bedürfnissen der Betroffenen angepasst wurden. Seine objektiven und konsequenten Entscheidungen hatten innerhalb der Weltbank oft Hindernisse zu überwinden. Wichtiger aber waren für Ernst-Günther Bröder Fortschritt sichernde Ergebnisse vor Ort, wobei seine politische Neutralität mehrfach dazu beitrug, selbst von zunächst misstrauischen NROs und Umweltverbänden voll unterstützt zu werden.

 

Langfristiges Denken, Beharrlichkeit, Nachhaltigkeit

Seine Ziele verfolgte Ernst-Günther Bröder beharrlich. Er war durchsetzungs- und überzeugungsfähig, konnte aber auch sehr energisch werden. Er war unbestechlich, denn es ging ihm immer darum, ein Projekt sachlich zu prüfen, seine eigene Meinung zu bilden und danach Entscheidungen zu beeinflussen oder zu treffen.

Er ging offen, vertrauensvoll und ohne Vorurteile auf Menschen zu. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung mit Entwicklungsprojekten war er zutiefst überzeugt, dass man mit vertrauensvollen Förder- und Bildungsprojekten weitaus mehr erreichen konnte als mit kurzfristigen Finanzhilfen.     

 

Ernst-Günther Bröder verstarb am 13. Dezember 2013 in Hergiswil/Schweiz. Sein Vermächtnis ist diese Stiftung.